26. März 2026
Energiewende als Standortfaktor

Bürgermeister und Wirtschaftsförderung zu Besuch bei WestfalenWIND
Bürgermeister Stefan-Oliver Strate und WFG-Geschäftsführer Jürgen Janke haben das Paderborner Unternehmen WestfalenWIND besucht. Im Gespräch mit der Geschäftsführung ging es um Bürgerbeteiligung an der Energiewende, Chancen für kommunale Haushalte und die Frage, wie die hohe Ökostrom-Produktion in der Region zum Standortfaktor für Paderborn werden kann.
Windenergie aus Paderborn
WestfalenWIND wurde 2009 gegründet und beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Paderborn. Das Unternehmen plant, baut und betreibt Windkraftanlagen im Kreis Paderborn und darüber hinaus. Rund 130 eigene Anlagen mit einer Leistung von 400 Megawatt erzeugen jährlich Strom für etwa 250.000 Haushalte. Außerdem gehören eine Photovoltaik- und Gebäudetechniksparte zur Gruppe. Der Kreis Paderborn deckt nach Unternehmensangaben rund 217 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen – bundesweit sind es 56 Prozent.
Seit Dezember 2025 hält der kommunale Versorger Westfalen Weser 50 Prozent an der Tochtergesellschaft WestfalenWIND Strom GmbH. Ziel des Joint Ventures ist es, den regionalen Ökostrom-Vertrieb auszubauen und Kommunen stärker in die Energievermarktung einzubinden. WestfalenWIND Strom versorgt nach eigenen Angaben rund 45.000 Kundinnen und Kunden.
Wie Beteiligung Akzeptanz schafft
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, wie die Energiewende vor Ort Rückhalt findet. WestfalenWIND setzt auf frühe Kommunikation und konkrete Teilhabe: In mehreren Kommunen hat das Unternehmen Stiftungen mitgegründet, die Windkraft-Erträge direkt in Ortsteile leiten. In Bad Wünnenberg sind das beispielsweise rund 200.000 Euro jährlich. Dazu kommen vergünstigte Stromtarife an mehreren Standorten. Über die BürgerWIND Westfalen eG, die finanzstärkste Energiegenossenschaft in NRW mit rund 2.700 Mitgliedern und einem Kapital von 58 Millionen Euro, können sich Bürgerinnen und Bürger direkt an Windparks finanziell beteiligen.
„Windkraft funktioniert nur, wenn die Region etwas davon hat“, sagt Geschäftsführer Matthias Rieger. Ein Instrument dafür ist § 6 des EEG: Danach zahlen Windkraft-Betreiber 0,2 Cent pro produzierte Kilowattstunde an die jeweiligen Windkraft-Kommunen. Diese Zahlungen bekommen die Betreiber über die Netzentgelte erstattet. Für Neuanlagen ist diese Abgabe verpflichtend. WestfalenWIND zahlt nach eigenen Angaben die Abgabe zusätzlich auch für Bestandsanlagen auf freiwilliger Basis und ermöglicht den Kommunen dadurch eine zusätzliche Einnahmequelle. Im Kreis Paderborn sind schätzungsweise 300 Betreiber aktiv. Wie viele von ihnen freiwillig zahlen, ist unklar. „Wir hätten uns gewünscht, dass der Gesetzgeber alle Betreiber dazu verpflichtet. Das würde die Akzeptanz in der gesamten Branche stärken.“
Bürgermeister Strate zeigte sich beeindruckt: „Viele reden über Akzeptanz, hier wird sie geschaffen. Stromtarife, Stiftungen, Genossenschaftsanteile – das kommt direkt bei den Menschen an. Gerade in Regionen wie Paderborn, die viel für die Energiewende leisten, müssen die Menschen und die Kommunen vor Ort davon auch profitieren.“
Grüner Strom als Standortargument
Energieintensive Unternehmen suchen zunehmend Standorte mit günstiger und grüner Stromversorgung. Für Paderborn könnte das mit Blick auf den geplanten Innovationspark im Zukunftsquartier zum Ansiedlungsargument werden.
Ein Beispiel liefert die WestfalenWIND-Tochter windCORES: Sie betreibt Rechenzentren in Windkraftanlagen und erhielt dafür im Dezember den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Drei Standorte laufen, weitere sind geplant. Die Voraussetzungen dafür hat WestfalenWIND: verfügbare Windkraftanlagen, die elektrischen Netze und eine redundante Glasfaseranbindung bis zum Internetknoten in Frankfurt.
„Unternehmen gehen dorthin, wo der Strom ist, und das wird ein entscheidender Standortfaktor“, sagt Jürgen Janke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Paderborn. Die Kombination aus Ökostrom-Produktion, digitaler Infrastruktur und neuen Gewerbeflächen biete Paderborn eine Chance, die man gezielt nutzen wolle. „Als Wirtschaftsförderung bringen wir die Akteure zusammen, von der Energiebranche und den Unternehmen vor Ort bis zu ansiedlungsinteressierten Unternehmen.“

