28. November 2022

„Einfach machen!“ – Ausbildung ist wichtig

Willy Schulze möchte alle ermutigen, unbedingt einen Berufsabschluss nachzuholen. Der 26-Jährige macht eine betriebliche Einzelumschulung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker.

„Dreieinhalb Jahre habe ich im Unternehmen meines Onkels schlichtweg alle Arbeiten übernommen, die anfielen. Dann habe ich mich entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen“, erzählt Willy Schulz. Mit Unterstützung der Agentur für Arbeit Paderborn hat er nun seinen Traumberuf gefunden: Land- und Baumaschinenmechatroniker ist genau sein Ding! Seit dem 1. Oktober 2021 absolviert der 26-Jährige eine betriebliche Einzelumschulung bei der Wachtendorf GmbH in Paderborn. Und möchte andere ermutigen, auf jeden Fall einen Berufsabschluss nachzuholen.

Willy Schulz hat nach dem Abschluss der Realschule in Bad Lippspringe das Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Paderborn besucht und erkannt, dass das Kaufmännische nicht alles ist, was er sein ganzes Leben lang machen möchte.

„Nach dem Schulabschluss, stand ich 2017 vor der Wahl: mache ich eine Ausbildung oder steige ich ins neu gegründete Familienunternehmen ein?“ Willy Schulz entscheidet sich für letzteres. Für den Moment scheint ihm das die richtige Wahl, er möchte seine Familie unterstützen. Doch knapp vier Jahre später entschließt er sich, seinen eigenen Weg zu gehen und einen Beruf zu erlernen.

Begleitet wird er auf diesem Weg von der Paderborner Agentur für Arbeit. „Ausbildung ist wichtig, ihre Bedeutung wird leider von vielen unterschätzt!“, sagt die Arbeitsvermittlerin Irina Sachvorostov. „Einige Kunden fühlen sich mit 30 Jahren zu alt für eine Umschulung, haben nicht im Blick, dass noch sehr viele Berufsjahre vor ihnen liegen, oder der geringere Verdienst in der Zeit schreckt sie ab. Andere trauen sich eine Umschulung nicht zu oder finden sie sogar peinlich.“

„Einfach machen, sich trauen. Nicht lange überlegen!“, hält Willy Schulz dagegen. Zur Vorbereitung auf die Umschulung ermöglicht die Arbeitsagentur ihm die Teilnahme an einer Maßnahme der FAW gGmbH, der Fortbildungsakademie der Wirtschaft, in Paderborn. Hier werden Grundkompetenzen vermittelt, Bewerbungstraining, berufliche Orientierung und ganz besonders die praktische Erprobung stehen im Fokus.

Durch den Kontakt zu einem früheren Mitarbeiter wird er auf die Firma Wachtendorf aufmerksam. Da er sich sehr für Technik interessiert, wird er hellhörig. Er macht dort ein Praktikum und ist gleich begeistert. Nicht nur von der Tätigkeit. „Das ist ein cooles Team hier, das viel gemeinsam unternimmt. Das gefällt mir“, freut sich Willy Schulz.

Auch bei Firmenchef Matthias Haupt kommt der junge Mann gut an. „Willy ist schon ein bisschen älter und weiß, was er will.“ Vielen Praktikanten fehle diese Reife einfach noch. So konnte die Umschulung, die 28 Monate dauert, starten.

Gabelstapler, Hubwagen, Arbeitsbühnen, Häcksler und vieles mehr – die Mitarbeiter der Firma Wachtendorf prüfen, warten, reparieren. Aber auch der Verkauf und die Vermietung gehört zur Angebotspalette. Es ist allerdings nicht nur technisches Können erforderlich. Wenn in einem Betrieb Maschinen ausfallen, kann die Situation schon mal angespannt sein. Dann ist es wichtig, die richtigen Worte zu finden und dem Kunden ein gutes Gefühl zu vermitteln. „Unsere Mitarbeiter sind Problemlöser! 65 Prozent ist Kommunikation. Das macht den Reiz aus. Unsere Leistung muss verkauft werden. Und der Willy kann das!“, freut sich der Arbeitgeber und merkt an, wie schwierig es grundsätzlich für ihn derzeit ist, Auszubildende und Fachkräfte zu finden. „Leider haben viele das Berufsbild Land- und Baumaschinenmechatroniker gar nicht auf dem Schirm. Dabei sind die Perspektiven in diesem Bereich deutlich besser als beispielsweise für Kfz-Mechatroniker. Der Beruf ist einkommenstechnisch sehr interessant, abwechslungsreich und die Mitarbeiter tragen viel Verantwortung.“

Im Frühjahr 2023 steht für Willy Schulz erst einmal der erste Teil der Gesellenprüfung an, im Januar 2024 ist er mit der Umschulung fertig. „Dass er praktisch im zweiten Lehrjahr eingestiegen ist, ist nicht ohne. Die Ausbildung ist sehr komprimiert, das Schulungspaket ist knackig“, weiß Matthias Haupt um die hohen Anforderungen an seinen Umschüler. Und danach? „Wir hoffen, dass Willy bleibt! Er hat versteckte Talente und wir können uns gut vorstellen, dass er in den Verkauf geht“, sagt Matthias Haupt. „Das könnte ich mir auch gut vorstellen, denn die Kombination aus Technik und Verkauf reizt mich sehr“, freut sich auch Willy Schulz.

Foto (Agentur für Arbeit/Ellen Grundmann): Willy Schulz (Mitte) weiß, was er will. Zur Freude seines Arbeitgebers Matthias Haupt und der Arbeitsvermittlerin Irina Sachvorostev hat er sich für eine Umschulung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker entschieden. 
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