31. August 2026

Innenstadt als gemeinsame Aufgabe

Wirtschaftsförderung und Bürgermeister besuchen Modehaus Klingenthal in Paderborn

Wie lässt sich die Paderborner Innenstadt noch attraktiver machen? Über diese Frage und weitere Themen haben sich Bürgermeister Stefan-Oliver Strate und die Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG) mit der Geschäftsführung des Modehauses Klingenthal ausgetauscht.

"Wirtschaft sollte einen hohen Stellenwert haben", sagte Ferdinand Klingenthal. Ohne Wirtschaft sei alles nichts. Das seit 1874 bestehende Familienunternehmen führt am Standort Paderborn seit 1928 ein Modehaus und beschäftigt in der Unternehmensgruppe rund 400 Mitarbeitende. Über 100.000 Kundinnen und Kunden sind in der Kartei erfasst.

Für die WFG selbst war der Termin auch ein Anlass, ihre eigene Rolle in der Innenstadt einzuordnen. Einzelhandel und Innenstadt waren lange kein originäres Aufgabenfeld der Wirtschaftsförderung, erklärte der kommissarische Geschäftsführer Jürgen Janke. Erst mit dem neu aufgestellten Citymanagement ist die Innenstadt als Wirtschaftsraum für die WFG hinzugekommen. Citymanagerin Lena Schräder und ihr Team stehen seitdem im regelmäßigen Austausch mit den Einzelhändlerinnen und -händlern, auch mit Klingenthal. "Die WFG ist immer Kooperationspartnerin, schließt Lücken und schafft neue Verbindungen", betonte Janke.

Seit April 2025 hat das Team Citymanagement mit Lena Schräder, Verena Meise und Vera Westerwinter die Arbeit aufgenommen, um die Innenstadt als Ort zum Verweilen, Einkaufen und Treffen zu stärken. Im interdisziplinären Team arbeiten Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Stadtplanung zusammen. Ziel ist es, die Verweildauer der Besucherinnen und Besucher zu erhöhen und gemeinsam mit Einzelhandel, Gastronomie und weiteren Akteuren neue Angebote für die Innenstadt zu entwickeln.

Erste Formate sind bereits umgesetzt: Für inhabergeführte Geschäfte hat das Citymanagement ein Netzwerktreffen ins Leben gerufen, das zu einem regelmäßigen Austauschformat werden soll. Mit der Konzertreihe "Donnerstags in Paderborn" und dem Beteiligungsprojekt "Off the Trampelpfade", setzt das Citymanagement zudem sichtbare Impulse für eine lebendige Innenstadt.

Franz Klingenthal wehrte sich gegen ein gängiges Bild des Einzelhandels: "Wir werden in Diskussionen häufig als Nörgler wahrgenommen – das wollen wir gar nicht sein, sehen uns aber gezwungen, auf für die Innenstadt elementare Probleme hinzuweisen." Das Unternehmen verstehe sich als innovativ statt traditionsverhaftet und investiere kontinuierlich in die Digitalisierung, etwa mit digitaler Anprobe per App, Online-Shopping und Terminreservierungen. Man wolle sich nicht auf Bewährtem ausruhen, sondern immer wieder neue Konzepte ausprobieren, so Klingenthal. "Wir wollen die Kundenbrille einnehmen und freuen uns über jeden Besucher", sagte Klingenthal. Shopping, Gastronomie und Erlebnis gehörten zusammen und der Handel übernehme damit auch eine Gastgeberrolle für die Stadt. Ziel sei es, Menschen auch von außerhalb nach Paderborn zu holen. Paderborn solle beim Handel nicht als Provinz, sondern als Innovationstreiber wahrgenommen werden.

Foto (WFG/Tobias Vorwerk): Über die Klingenthal-App lassen sich die Kleidungsstücke virtuell anprobieren. Auch Bürgermeister Stefan-Oliver Strate hat die digitale Anprobe vor Ort getestet. 

Dass die Innenstadt weit über den reinen Handel hinaus wirkt, unterstrich Ferdinand Klingenthal: "Das Image einer Stadt wird durch die Innenstadt geprägt." Jürgen Janke ergänzte, der Einzelhandel müsse Erlebnisse schaffen, um im Wettbewerb zu bestehen. Klingenthal sehe sich entsprechend auch als Teil der Freizeitwirtschaft.

Bürgermeister Stefan-Oliver Strate sprach zudem das wichtige Thema Sicherheit in der Innenstadt an und verwies auf einen bestehenden Arbeitskreis und die gute Zusammenarbeit mit dem Landrat und der Polizei. Ferdinand Klingenthal nahm diesen Austausch positiv auf. Mit Blick auf die Zukunft der Innenstadt bezeichnete Strate unter anderem das Projekt "Neue Mobilität Paderborn" (NeMo) und die Erprobung autonomer Mobilitätslösungen als spannenden Ansatz. Perspektivisch könnten solche Angebote dazu beitragen, Menschen einfacher und verlässlicher in die Innenstadt zu bringen und ihre Erreichbarkeit zu verbessern.

Strate zeigte sich offen für weitere Gespräche und Ideen: "Wir wollen gemeinsam mit der Wirtschaft schauen, was wir in den nächsten Jahren zusammen machen können. Die WFG kann dabei als Treiberin fungieren." Der lokale Handel spiele eine wichtige Rolle für die Attraktivität der Innenstadt, sagt Strate, und freut sich über den positiven Austausch zwischen Citymanagement und Einzelhändlern.

Foto (WFG/Tobias Vorwerk): v. l. Franz Klingenthal, Ferdinand Klingenthal, Bürgermeister Stefan-Oliver Strate, Catharina Blome und Jürgen Janke (beide WFG).
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