30. Oktober 2026
Starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Paderborn

Textilunternehmen HOL-tex siedelt sich in Sennelager an – Bürgermeister und Wirtschaftsförderung besuchen künftigen Standort an der Pater-Ewald-Straße
Die HOL-tex GmbH zieht mit ihrer kompletten Produktion von Schloß Holte-Stukenbrock nach Paderborn-Sennelager. In einer Bestandshalle an der Pater-Ewald-Straße wird das Unternehmen künftig auf rund 10.000 Quadratmetern Stoffe bedrucken, vor allem mit Tarnmustern für Streitkräfte. Dafür investiert HOL-tex einen mehrstelligen Millionenbetrag. Die Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG) hat die Ansiedlung von Beginn an begleitet. Jetzt haben sich Bürgermeister Stefan-Oliver Strate und die WFG vor Ort mit der Geschäftsführung ausgetauscht. Aktuell beschäftigt der Betrieb 88 Menschen. In Paderborn sollen es mindestens 100 werden.
Stoffe für westeuropäische NATO-Staaten
Die Tarnstoffe von HOL-tex gehen an verschiedene westeuropäische NATO-Staaten. Neben Stoffen für Bekleidung gehören auch Materialien für Zelte, Rucksäcke, Netze und Planen dazu. HOL-tex liefert dabei immer die Meterware. Genäht und konfektioniert wird anschließend bei anderen Unternehmen.
Die Anforderungen sind hoch: „Die Stoffe werden unter schwierigen Bedingungen eingesetzt, Farben müssen auch nach vielen Wäschen halten“, erklärt Geschäftsführer Andre Hagemeyer. „Jede Armee hat ihre eigene Vorstellung davon, wie Tarnung aussehen soll.“ HOL-tex setzt die Vorgaben zu Farben und Echtheiten um und arbeitet oft an vielen Entwicklungen gleichzeitig.
Fachleute nennen diese Arbeit Textilveredelung: HOL-tex webt die Stoffe nicht selbst, sondern bedruckt und beschichtet sie und gibt ihnen so ihre besonderen Eigenschaften. Als Textilveredler arbeitet das Unternehmen auch für zivile Kunden, etwa mit Stoffen für Filter oder den Sonnenschutz.
Die Auftragslage ist sehr gut, mit vielen Kunden bestehen langjährige Verträge: „Wir sind eines der wenigen Unternehmen in der Textilbranche, die wachsen“, sagt Geschäftsführer Sven Fladenhofer.
Von der Bielefelder Färberei zum Spezialisten
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1879 zurück. Damals wurde in Bielefeld eine Färberei gegründet, die 1938 wegen des Wassers nach Schloß Holte zog. Lange war der inhabergeführte Betrieb auf Heimtextilien spezialisiert: Dekostoffe und Gardinen mit bis zu 80.000 laufenden Metern am Tag. Ende der 1990er-Jahre geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, 2002 folgte die Insolvenz. Der Tarndruck machte damals nur 15 bis 20 Prozent des Geschäfts aus.
2003 gründete Udo Hagemeyer mit einer Mitgesellschafterin aus der Insolvenz heraus die HOL-tex GmbH. Gestartet ist sie mit weniger als 40 Beschäftigten. Seitdem konzentriert sich das Unternehmen voll auf technische Textilien und Tarndruck.
Warum Paderborn?
Die Entscheidung fiel aus mehreren Gründen auf Paderborn. In Sennelager kann die nötige Infrastruktur für Gas, Wasser, Strom und Abwasser geschaffen werden. Dazu kommen die Nähe zum bisherigen Standort, die gute Verkehrsanbindung und das Unternehmensumfeld in Paderborn.
„Die Halle passt zu dem, was wir vorhaben und für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Weg nicht weit. Mit der Verkehrsanbindung und dem Umfeld in Paderborn hat am Ende einfach das Gesamtpaket gestimmt“, sagt Geschäftsführer Andre Hagemeyer. Auch die Begleitung durch die Partner habe eine wichtige Rolle gespielt: „Wirtschaftsförderung, Stadtverwaltung und Bezirksregierung haben uns sehr gut unterstützt. Dafür möchten wir uns bei allen Beteiligten bedanken.“
Bürgermeister Stefan-Oliver Strate zeigt sich sehr zufrieden: „Mit HOL-tex haben wir einen absoluten Spezialisten als Arbeitgeber für Paderborn gewonnen. Das ist ein Doppelgewinn für unsere Stadt: ein hoch innovatives Unternehmen und neue Arbeitsplätze. Ein Unternehmen, das hier einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert, setzt langfristig auf Paderborn. Gerade in Zeiten der Haushaltssicherung ist das eine richtig gute Nachricht.“ Besonders hebt Strate den Weg dorthin hervor: „Wirtschaftsförderung, Verwaltung und Bezirksregierung Detmold haben Hand in Hand gearbeitet. Das zeigt, was möglich ist, wenn alle früh miteinander sprechen.“
Wie das konkret aussah, zeigt das Thema Abwasser. Textilbetriebe brauchen in der Regel eine eigene Kläranlage. HOL-tex kommt ohne aus: Farben und Beschichtungsreste, die nicht auf dem Stoff landen, werden vorher abgefangen und separat entsorgt. Was die Umwelt belasten könnte, gelangt so gar nicht erst ins Wasser. Mit Blick auf strengere Grenzwerte hat das Unternehmen zudem frühzeitig Farbstoffe umgestellt. Mit der Bezirksregierung Detmold wurde das Thema abgestimmt, bevor Unterlagen eingereicht wurden.
Auf Seiten der WFG war Heiner Buitkamp, Leiter des Standortmanagements, von Anfang an Ansprechpartner für HOL-tex. „Entscheidend war, dass solche Fragen geklärt waren, bevor Anträge eingereicht wurden. Wer früh mit den zuständigen Stellen spricht, spart später Monate“, weiß Buitkamp und bedankt sich insbesondere beim STEB, der Verwaltung, dem Kreis und der Bezirksregierung für die gute Zusammenarbeit.
„Die Ansiedlung von HOL-tex zeigt genau das, was wir als Wirtschaftsförderung immer sagen: Unternehmen finden in Paderborn die Rahmenbedingungen, die sie brauchen“, sagt WFG-Geschäftsführerin Dr. Christine Tölle. „Im Fall von HOL-tex sind das eine große Bestandshalle mit Platz für Produktion und Büroräume, eine sehr gute Infrastruktur und Platz zum Wachsen. Dank der Verkehrsanbindung ist der Standort auch für Fachkräfte aus dem ganzen Kreis gut erreichbar.“
Zeitplan und Personalsuche
Der Umzug erfolgt schrittweise. Die Investition fließt in den Umbau der Halle und in neue Maschinen. Ein Großteil der Anlagen wird neu angeschafft und modernisiert. Damit die Lieferungen weiterlaufen, produziert HOL-tex eine Zeit lang parallel in Schloß Holte-Stukenbrock und Paderborn. Die ersten Maschinen sollen in rund einem Jahr in Sennelager aufgebaut werden. Bis Mitte 2028 soll die gesamte Produktion in Paderborn laufen.
Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht das Unternehmen schon jetzt. Gefragt sind vor allem Textilmaschinenführer sowie Maschinenführer für den Drei-Schicht-Betrieb. Eingesetzt werden sie zunächst am bisherigen Standort und ziehen später mit nach Paderborn.

