16. März 2026
Zwölf Nationen, ein Team

SERVICE 1 GmbH: Paderborner IT-Unternehmen wächst mit internationaler Belegschaft
Rund 100 Beschäftigte aus zwölf Nationen und Software für den weltweiten Außendienst: Beim Unternehmensbesuch informierte sich Jürgen Janke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG), über das Geschäftsmodell, die internationale Personalstrategie und die Herausforderungen bei der Integration ausländischer Fachkräfte der SERVICE 1 GmbH.
Software für den Serviceeinsatz weltweit
Die SERVICE 1 GmbH entwickelt cloudbasierte Software für das Field Service Management, also für Unternehmen, die Techniker im Außendienst steuern. Ein Heizungshersteller muss beispielsweise einen Monteur mit dem richtigen Ersatzteil zur richtigen Zeit zum richtigen Kunden schicken. Genau das organisiert die Software: vom Kundenanruf über Diagnose und Tourenplanung bis zur Abrechnung. Die Techniker haben alle Daten mobil – auch ohne ständige Internetverbindung.
Das Unternehmen wurde 1987 in Paderborn als GMS gegründet, damals in enger Zusammenarbeit mit Nixdorf. Seit 2024 firmiert es unter dem Namen SERVICE 1. Die Kunden kommen aus verschiedenen Branchen: Medizintechnik, Windenergie, Gebäudetechnik, Nutzfahrzeuge oder Automatenservice.
Qualifikation vor Herkunft
SERVICE 1 rekrutiert gezielt international, beispielsweise aus Rumänien, Bulgarien, dem Libanon, Indien oder Tunesien. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeitende, davon haben 31 einen Migrationshintergrund. Insgesamt sind zwölf Staatsangehörigkeiten im Team vertreten. Die Projektsprache ist Englisch, die Unternehmenssprache wechselt zwischen Deutsch und Englisch. Regelmäßige Teamtreffen mit Fachbeiträgen und internationalem Buffet stärken den Zusammenhalt.
“Für uns zählt, was jemand kann, und nicht, woher jemand kommt. Unsere internationalen Kolleginnen und Kollegen sind genauso wettbewerbsfähig wie alle anderen. Damit sie aber langfristig in Paderborn bleiben, brauchen wir verlässliche Anlaufstellen, die beim Ankommen helfen”, sagt Geschäftsführer Carsten Müller.
Integration als Aufgabe für Unternehmen und Stadt
Das Unternehmen übernimmt bereits vieles selbst: Es bietet Sprachförderung, Hilfe bei Alltagsfragen und Erklärungen zu lokalen Gepflogenheiten. Bilinguale Meetings und Übersetzungssoftware gehören zum Arbeitsalltag. Doch die größten Hürden liegen außerhalb des Unternehmens: komplexe Behördenverfahren, ein angespannter Wohnungsmarkt und fehlende zentrale Ansprechpartner für zugewanderte Fachkräfte.
Birgit Bräuer, zuständig für Recruitment und People Development bei SERVICE 1, sagt: “Wir investieren viel in die Integration unserer internationalen Teammitglieder. Das gelingt intern gut. Aber bei Behördengängen und bei der Wohnungssuche stoßen wir an Grenzen, die wir als einzelnes Unternehmen nicht immer lösen können.”
IT-Standort Paderborn: Starke Basis, wachsender Bedarf
Der demografische Wandel trifft den IT-Standort Paderborn besonders: Fast sechs Prozent der Beschäftigten arbeiten hier in der IKT-Branche, fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Über 100 IT-Unternehmen sind vor Ort ansässig. “Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wächst”, sagt Jürgen Janke, Geschäftsführer der WFG. “Die gezielte Rekrutierung im Ausland eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten, offene Stellen zu besetzen und wettbewerbsfähig zu bleiben. SERVICE 1 zeigt, dass das gelingen kann, wenn Unternehmen die entsprechenden Voraussetzungen schaffen und der Standort die richtigen Rahmenbedingungen bietet.”
Die Wirtschaftsförderung sieht darin ein zentrales Zukunftsthema für den Wirtschaftsstandort. Im Austausch mit den lokalen Unternehmen identifiziert sie konkreten Handlungsbedarf: verlässliche Ansprechpartner bei Behörden, gebündelte Informationsangebote für zugewanderte Fachkräfte und Strukturen, die das Ankommen am Standort erleichtern. Gemeinsam mit Verwaltung und Politik arbeitet die WFG daran, diese Angebote gezielt auszubauen.
“Unternehmen in Paderborn sind bereit, Verantwortung für die Integration internationaler Fachkräfte zu übernehmen. Gespräche wie dieses zeigen uns, wo der Standort besser werden kann. Als Wirtschaftsförderung wollen wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Fachkräfte aus dem Ausland hier nicht nur arbeiten, sondern auch gerne leben”, sagt WFG-Geschäftsführer Jürgen Janke.

